Alexander von Humboldt und der Rio Negro
Sowohl in Geschichtsbüchern, als auch in der Literatur wird diese Geschichte immer wieder aufgegriffen – zu Recht, denn die Erforschung Südamerikas brachte den Gelehrten in Europa nicht nur geographische, sondern auch biologische und anthropologische Wissenserweiterung. Kenntnisse über die Geographie Südamerikas wurden zur Erstellung von Karten für Expeditionen und die Seefahrt genutzt, neue Tier- und Pflanzenarten konnten in die Museen und in Büchern interessierten Menschen nähergebracht werden und Wissen über das Leben der Ureinwohner Südamerikas war für Anthropologen von unschätzbarem Wert.
Die Reise von Humboldt und seinem Begleiter Bonpland hat Daniel Kehlmann 2005 in seinem Roman „Die Vermessung der Welt“ thematisiert. Kehlmann beschreibt parallel die Forschungen von Carl Friedrich Gauß in Deutschland und die seines Kontrahenten Alexander von Humboldt während der Südamerikareise. Als beide sich letztendlich einmal treffen, haben sie – jeder für sich – einen bedeutenden Beitrag zu eben jener Vermessung der Welt, die der Titel anspricht, geleistet. Wer sich für historische Romane interessiert und zusätzlich auch über Südamerika lesen möchte, dem sei Daniel Kehlmanns Roman ans Herz gelegt!
Viel Zeit zum Lesen hat man auch während eines Fluges nach Südamerika, um das Land auf eigene Faust zu entdecken und auf Humboldts Spuren zu wandeln. Besonders seine Reise auf dem Rio Negro, der in den Amazonas mündet, blieb ihm besonders im Gedächtnis. Der Rio Negro ist der zweitgrößte Nebenfluss der Welt und bildet als Zusammenfluss von Rio Guainia und Rio Casiquiare bei San Carlos de Rio Negro, welches Humboldt um 1800 besuchte, die bedeutendste Bifurkation der Welt. Der Name bedeutet im Deutschen „schwarzer Fluss“ und ist eindeutig auf das schwarze Wasser zurückzuführen, welches man sogar von Satellitenbildern aus sehen kann. Schwarz erscheint das Wasser aufgrund von Ablagerungen an Humin- und Fulvosäuren, die aus den Böden der Umgebung stammen und vom Regen ausgewaschen wurden. Diese sauerstoffarme Umgebung macht Leben kaum möglich – so gibt es nur sehr wenige Pflanzen im Rio Negro und auch in Wassernähe lebende Insekten wie Mücken findet man nicht.
Amazonien ist sicher eine Reise wert, allerdings sind die meisten Gebiete nicht für den Tourismus erschlossen, sprechen eher Abenteurer und Überlebenskünstler an und es bieten sich für weniger abenteuerlustige Urlauber eher Städtereisen an. Ein Hotel in Südamerika ist in den Städten auch leichter zu finden. Wollen Sie den Rio Negro sehen, würde sich Manaus als Reiseziel anbieten. Die brasilianische Stadt ist Hauptstadt des Bundesstaates Amazonas und bietet neben Stränden am Fluss – zum Beispiel der bekannte Praia de Lua – und Natur auch die Möglichkeit kultureller Aktivitäten sowie Flanieren auf der bekannten Ponta Negra Promenade. Überzeugen Sie sich auch mal abseits von Karneval in Rio von der Vielfalt Südamerikas und wandeln Sie auf Alexander von Humboldts Spuren.


